Manchmal entsteht aus unscheinbaren Anfängen ein Ergebnis, das weit über das ursprüngliche Ziel hinausgeht. So geschehen beim Autohaus Bergland, das nur ein kleines IT-Projekt plante, dabei zusätzliches Potential erkannte und jetzt mit Univention Corporate Server ein leistungsfähiges, neues Rückgrat seiner System-Architektur hat.
Im idyllischen Bergischen Land, vor dem sich der Rhein-Durchbruch in die rheinische Tiefebene öffnet, gibt es das Autohaus Bergland. Der Ford-Händler und VW-Servicestützpunkt hat seinen Stammsitz in Wipperfürth, drei Niederlassungen in den benachbarten Städten Radevormwald, Gevelsberg und Remscheid (hier mit zwei Standorten für Verkauf und Verwaltung) sowie in Frankfurt/Oder und Nordhausen im Süd-Harz.
Ursprünglich brauchte die Wipperfürther Zentrale nur neue Hardware für einen Mail-Server, aber mit der Software war man ohnehin nicht gerade glücklich. Der IT-Verantwortliche des Autohauses, Björn Schmitz, stieß auf Scalix und deren Dortmunder Partner pL coteam GmbH + Co KG. Die Messaging-Lösung mit integriertem Gruppenkalender gleich auf Basis von Univention Corporate Server (UCS) einzurichten, so der Befund nach vorbereitenden Gesprächen Anfang 2008, würde eine Reihe weiterer Verbesserungen ermöglichen.
Attraktiv an UCS waren unmittelbar insbesondere die Möglichkeiten zur zentralen Administration und Authentifizierung sowie ein einheitliches Directory. Darüber hinaus könnten sich betagte Desktops unter den mehr als 100 Unternehmens-PCs mittels der PXE-Boot-Umgebung von UCS als Thin Clients weiter benutzen lassen. Eine Vereinheitlichung und Zusammenfassung der IT-Landschaft würde den Administrationsaufwand reduzieren.
Nach der Auftragserteilung Ende April 2008 stand zunächst die Server-Landschaft in der Wipperfürther Firmenzentrale im Zentrum der Aufmerksamkeit. Von zentraler Bedeutung waren hier jeweils isolierte Software-Inseln mit dedizierten Servern: Ein Windows-basierender Ositron-Fax-Server ließ sich sogleich durch das Hylafax-Modul in UCS ersetzen. AutoSys, eine Anwendung aus dem Automotive-Bereich, lief noch unter SuSE-Linux Enterprise Server (SLES) 8. Auf Basis von Windows 2000 operierten die Personal- und Finanzlösung Varial, Citrix Metaframe, der Autoteilekatalog E-Cat, BCM für den Datenaustausch mit Ford sowie ein Server für diverse Anwendungen.
Für AutoSys und Varial lag ohnehin eine Erneuerung der Hardware nahe. Das brachte das Thema auf, die bisher vereinzelten Umgebungen durch Virtualisierung zusammenzufassen und dabei gleich auf neuen Rechnern zu konsolidieren, um für bessere Auslastung der Ressourcen zu sorgen. Wie oft zu erleben, wollten die Hersteller verschiedener Applikationen ihre Produkte in virtualisierten Umgebungen zunächst nicht unterstützen. Trotzdem wurde der Schritt beschlossen. Unberührt sollten das Archivierungssystem Easy Archiv und ein von VW bereitgestellter Active Directory-Server für die Einbindung in das Intranet des Wolfburger Konzerns bleiben. Zunächst wurden vier IBM-Server x3650 angeschafft. Auf den neuen Systemen wurde parallel zum laufenden Betrieb die neue Infrastruktur aufgebaut und getestet, vorhandene Daten wurden so weit als möglich im Betrieb auf die neuen Serversysteme synchronisiert. Die vorhandenen Clients wurden Schritt für Schritt sanft in die neue Umgebung migriert. Diese Variante der Migration bot einen Vorteil: Selbst nachdem die Anwendungen in ihren neuen Umgebungen primär geschaltet waren, wäre es möglich gewesen, im Falle von Fehlern auf die alten Systeme zurück zu schalten. Wir haben die alten Systeme nicht abgeschaltet, bevor wir absolut sicher waren, dass die neuen Umgebungen fehlerfrei liefen, berichtet Guido Gräwe, Geschäftsführer Technik vom IT-Dienstleister pL coteam. Am Ende haben wir nicht ein einziges Mal auf die alten Systeme zurückgreifen müssen.
Die Auslieferung und Implementierung der Software begann ab Mitte Mai 2008, Ende Mai 2008 liefen Univention Corporate Server, die XenServer für die Virtualisierung sowie die Astaro-Firewall bereits störungsfrei.
Zwei der neuen Server dienen nun als Domain- beziehungsweise Backup-Controller der neuen Systembasis UCS. Integriert sind hier auch der Scalix-Mail-Server und die Hylafax-Lösung. Die beiden anderen x3650-Rechner bilden die Basis für die Virtualisierung mit XenServer in der neuesten Version 5.0. Die eingesetzte Enterprise Lizenz unterstützt HA, zur gegenseitigen Überwachung der Xen-Server, und XenMotion für die Live Migration im Standardlizenzumfang.
Auf Xen sind jetzt sechs zentrale Server-Umgebungen virtualisiert: das von SLES 8 auf Version 10 SP2 gehobene AutoSys. Unter dem gleichen Linux-Betriebssystem läuft die einstige Windows-2000-Anwendung Varial. In beiden Fällen wurden die Systeme neu aufgesetzt und lediglich die Datenbestände, insgesamt rund 120 Gigabyte, migriert. Auf Xen laufen ferner die Windows-2000-Applikationen BCM für den Datenaustausch mit Ford, der E-Cat-Teilekatalog, Citrix Metaframe und diverse Anwendungen, die früher einen eigenen Server unter Beschlag hatten. Diese XenServer Umgebung wurde bis Anfang August 2008 umgesetzt.
Die Datenbestände aus dem alten Network Attached Storage werden nun von UCS per SAMBA bereitgestellt, weiterhin dient eines der UCS Systeme als NFS Shared Storage für die XenServer - Umgebung. Bei dem vorliegenden Bandbreiten und I/O Bedarf ist die Bereitstellung des Shared Storage über NFS vollkommen ausreichend, als zusätzliche Ziel für Kopien der virtuellen Maschinen verfügt einer der XenServer über ausreichende dimensionierte lokale Festplatten im RAID 5.
Auch das Netzwerk hat Neuerungen erfahren. Als Backbone sind jetzt Cisco Catalyst im Einsatz. Die einstige Cisco-Firewall PIX wurde durch eine moderne UTM-Appliance (Unified Thread Management) ASG220 von Astaro ersetzt. Diese sorgt auch für Content-Filtering zum Schutz vor Internetgefahren.
Während der Umstellung haben die beiden IT-Angestellten des Autohauses Bergland und Spezialisten von pL coteam so eng zusammengearbeitet, dass es streckenweise Workshop-Charakter hatte, erinnert sich Guido Gräwe. Die beiden Autohaus-Angestellten haben ein zweitägiges UCS-Training bei Univention in Bremen absolviert. Heute administrieren sie die Systeme und sorgen für den First-Level-User-Support. Für Second- und Third-Level-Support und Wartung ist pL coteam zuständig.
Das Ergebnis der Umstellung ist spürbar. Die Performanz der Systeme und ihr Funktionsreichtum sind deutlich gestiegen und entsprechen nun den Anforderungen des Kunden. Die Zahl der Problemfälle, etwa beim Anmelden der User, ist radikal gesunken. Das erhöht die Akzeptanz der Anwender und reduziert den Support-Aufwand für die hauseigene IT-Abteilung. Diese kann nun zentral IT-Richtlinien umsetzen und Berechtigungen vergeben. Auch die Bereitstellung neuer Ressourcen, beispielsweise von Netzwerk-Druckern, erfolgt nun von einer Stelle aus, ist damit schneller und kann flexibler auf Anforderungen reagieren.
Identische und reduntante Hardware reduziert den Aufwand für Bevorratung mit Ersatzteilen, verringert den Wartungsaufwand und erhöht die Verfügbarkeit. Die bessere Auslastung der physischen Server reduziert den Stromverbrauch. Nicht zuletzt hat sich die Sicherheit des Systems durch bessere Kontrolle der Ressource und hinsichtlich der Internetnutzung erhöht.
Reiner Irlenbusch, Geschäftsführer des Autohauses Bergland ist von der neuen Lösung angetan: Als wir uns auf die Suche nach einer neuen Mail-Lösung gemacht haben, hatten wir keine Vorstellung, was sich in unserer IT alles effizienter gestalten ließ. Jetzt haben wir durch Univention und Xen-Virtualisierung eine äußerst zuverlässige, moderne IT-Umgebung, die auch noch deutlich weniger Kosten verursacht. Und die durch die Einbindung von vielen unterschiedlichen Systemen hohe Flexibilität ermöglicht."
Die eingeschlagene Richtung wird das Autohaus Bergland fortsetzen. So stehen E-Mail-Archivierung und ein redundanter Storage-Server auf der Wunschliste. Getestet wird bereits der Einsatz von Thin Clients mit PXE-Boot-Umgebung. Und die sechs vernetzten Außenstellen ließen sich mit Univention Corporate Server auch noch besser einbinden.
Anwenderbericht |