Anwenderbericht Landkreis Friesland

Authentifizierungs-, File- und Print-Managementdienste

Landkreis

Friesland ist ein Landkreis im Nordwesten Niedersachsens, der ca. 607qkm groß ist mit rund 101.700 Einwohner. Im Norden und Osten grenzt Friesland an den Jadebusen, die Jade und die Nordsee. Diese schöne Region erfreut sich eines bedeutsamen Fremdenverkehrs insbesondere auf der Insel Wangerooge, im Wangerland und Dangast sowie den Waldgebieten der Friesischen Wehde.

Aufgabenstellung

Im Frühjahr 2004 hat sich der Landkreis Friesland dazu entschlossen, die Investition für Produkte der Fa. Microsoft so gering wie möglich zu halten und den Einsatz von Produkten aus dem Bereich Open Source zu fördern. Dadurch wollte der Landkreis seine Gesamtkosten und seine Herstellerabhängigkeit reduzieren. Ziel war es, alle Fachverfahren, Anwendungen und Betriebssysteme Schritt für Schritt in eine Open-Source-Technology zu überführen.

Zugrunde lag ein organisatorisch-technisches Konzept, das auf dem Betriebssystem Linux und Windows 2003 Terminalserver basierte.

Neben der Möglichkeit zum zentralen Management aller wesentlichen Aspekte von Servern, Clients und Windows- sowie Linux-Desktops, war es für die Kreisverwaltung in Jever von zentraler Bedeutung, eine sanfte Migration mit der Möglichkeit zum Parallelbetrieb von Windows- und Linux-basierten Systemen sicher stellen zu können.

Lösung

Mit der Entscheidung, seine EDV konsequent in Richtung Open Source umzustellen, ist der Landkreis Friesland einer der Vorreiter in Deutschland für öffentliche Einrichtungen. Gerade deswegen steht das Open Source Projekt in der IT-Fachpresse unter starker Beobachtung.

Die Wahl einer geeigneten Software sowie zuverlässiger Support während der Projektphasen waren daher von größter Wichtigkeit. Mehrere Tests mit verschiedenen Produkten, darunter auch Novell-Suse (NNLS) und die Linux-Komplettlösung der Firma Univention GmbH, folgten.

Um die hohen und komplexen Anforderungen erfüllen zu können, entschied sich die Kreisverwaltung in Jever für den Einsatz von Univention Corporate Server (UCS), sowie der Groupwarelösung Univention Groupware Server (UGS) des Bremer Unternehmens Univention GmbH.

UCS ist eine moderne Enterprise-Linux-Distribution auf der Basis von Debian GNU/Linux. Neben dem zeichnet es sich durch ein Managementsystem aus, welches eine leichte Identity- und Infrastruktur-"Single-Point-Administration" ermöglicht. Somit wird ein einfaches Verwalten von heterogenen und anspruchsvollen IT-Umgebungen ermöglicht. Die Groupwarelösung UGS hingegen ermöglicht dem Landkreis eine reibungslose Kommunikation aller Windows und Linux-Benutzer, eine gemeinsame Terminplanung oder den gemeinsamen Zugriff auf Mailordner, Kalender und Adressbücher.

Durchführung

Um die Umstellungsaufwände so gering wie möglich zu halten und die einmal getätigten Investitionen in die Lizenzkosten der vorhandenen Software so lange wie möglich zu nutzen, entschied sie der Landkreis für eine sanfte Migration über 3 Jahre.

Die Projektdurchführung erfolgte in 5 Phasen:

1. Phase: Migration der Domäneninfrastruktur (File, Print, Benutzerverwaltung,
Authentifizierung) von Windows NT nach UCS (UCS-Komponente: "Services for Windows") und Verlagerung der Fachanwendungen auf Windows Terminal Server.

2. Phase: Einführung zentral verwalteter, Linux-basierter Thin-Clients, die zunächst ausschließlich auf Windows-basierte Terminalserver zugreifen (UCS-Komponente: "Thin-Client-Infrastruktur"). Dazu wurden auch alte Desktops mit PXE Karten kostengünstig zu Thin Clients umgerüstet.

3. Phase: Schulungen von zunächst nur kleinen Gruppen von Mitarbeitern in kommende Open Source Lösungen wird ein erleichterter Umstieg für die restlichen Mitarbeiter vorbereitet. Die geschulten Mitarbeiter erleichtern dann als Moderatoren den Kolleginnen und Kollegen den Umstieg und klären evtl. Schwierigkeiten im Vorfeld mit den Admistratoren.

4. Phase: Einführung eines Linux-KDE-Desktops mit  Zugriff auf OpenOffice, Firefox etc. über Linux Server. Microsoft basierende Fachanwendungen 1.sind trotzdem weiterhin über Windows Terminal Server erreichbar.

5. Phase: Umstellung des Groupwaredienstes von Exchange 5.5 auf UGS (der auf Kolab 2 basierende Mail- / Groupwarekomponente von UCS), bei gemischter Verwendung von Outlook und dem KDE Programm „Kontact“ als Client.

Nachdem im Dezember 2004 UCS-Server die wichtigen Netzwerkdienste übernahmen, konnte sich auf einen gut vorbereitet durchgeführten Wechsel der Anwender-Umgebung zu Linux und Open Source Produkten konzentriert werden. Trotzdem musste, dank der Umlegung auf Windows Terminal Server nicht auf Fachanwendungen aus der Windows-Welt verzichtet werden. Die Migration wurde Mitte 2007 plangemäß mit Umstellung der Groupware auf UGS
erfolgreich beendet.

Aufbau der friesländischen IT-Infrastruktur:

Heute werden über UCS auf 13 Linux Servern alle wichtigen Netzwerkdienste verwaltet.
Auf Anwender-Ebene verteilt sich eine Mischumgebung auf 190 Linux Desktops, neben denen nur noch 60 Microsoft Desktops laufen. Windows basierende Fachanwendungen bleiben, dank einiger Windows-Terminal-Server für jeden Arbeitsplatz verfügbar.

Organisation der Benutzer/Anwender:

Fazit

Nach der Praxiserfahrung des Landkreises Friesland, ist gerade das Zusammenwirken der EDV Abteilung mit der einheitlichen Unterstützung der Verwaltungsspitze und das engagierte Mitarbeiten der Landkreisbediensteten einer der Gründe dafür, dass die Migration so schnell und problemlos verlaufen ist. Mit Fortschreiten des Projektes profitiert auch die Region von den Open Source Umstellungen.
Die allgemeinbildenden Schulen setzen seit 2002 Open Source Software ein. Das Schloßmuseum in Jever und die Gemeinde Wangerland haben 2005 umgestellt. Mittlerweile setzt auch die berufsbildenede Schule in Jever UCS ein und die Landkreise Wittmund und Wesermarch nutzen, wie die Stadt Jever, überwiegend OpenOffice.
Der Landkreis kann stolz von sich behaupten, dass es ihm aus eigener innovativer Gestaltungskraft gelungen ist, eine stabile, flexible und leistungsfähige IT Infrastruktur aufzubauen. Durch den Einsatz von Linux spart der Landkreis jährlich rund 49.000 Euro an Lizenzkosten ein. Das sind rund 20% mehr als erwartet. Hinzu kommen Einsparungen auf Grund des geringeren Hardwareaufwandes sowie der höheren Systemstabilität.

Ausblick

Für die Zukunft wünschen sich die IT-Verantwortlichen des nördlichen Landkreises noch einige verbliebene Microsoft Fachanwendungen (Beispiel: MS Access) durch Open Source Produkte ablösen zu können. Bis es dafür interessante Alternativen gibt, werden sie diese weiter nutzen können. Getestet wird hingegen schon die Verwendung von Handys für mobile Groupware-Anwendungen. Zusätzlich ist die Virtualisierung der IT-Umgebung
und die Anbindung der Verwaltungsaußenstellen geplant.

Anwenderbericht,
November 2008, PDF-Dokument (263,3 KB)


  >> zurück zur Übersicht