RAS Reinhardt Maschinenbau GmbH (RAS) ist ein 1939 gegründeter mittelständischer Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen aus Sindelfingen. Das Tochterunternehmen CATUNO GmbH ist seit über 20 Jahren Anbieter einer prozessorientierten ERP-Softwarelösung für den Mittelstand und betreut die rund 250 IT-Arbeitsplätze der RAS am Hauptsitz in Sindelfingen und im Werk Effringen, davon knapp 150 PC-Benutzer. Im Herbst 2009 analysierte CATUNO intern die IT von RAS Reinhard Maschinenbau.
Das Ergebnis der Analyse zeigte eine über Jahre gewachsene, heterogene und inzwischen veraltete IT-Landschaft. Neben mehreren Systemen mit Windows Server 2003, davon auch ein Terminalserver, gab es ein Linux-System für File-Shares sowie Solaris-Unix-Rechner in der Abteilung für die Maschinenkonstruktion und zur Anbindung des Storage-Systems. Durch zwei dezentrale OpenLDAP-Verzeichnisdienste, die zueinander inkonsistent waren, war die Administration zeitaufwändig und ineffizient. Auf den Desktop-Rechnern lief Windows XP mit Microsoft Office und Microsoft Outlook als Standard, wobei keine Anbindung mobiler Endgeräte an das E-Mail-System möglich war. CATUNO stellte fest, dass die Betreuung der heterogenen Systemlandschaft einen zu hohen Administrationsaufwand verursachte, während Stabilität und Verfügbarkeit der IT-Umgebung nicht den Erwartungen entsprachen. Die Technik wurde aktuellen Sicherheits- und Compliance-Anforderungen nicht mehr gerecht.
Christoph Krieger, verantwortlicher Projektleiter von CATUNO für die Neugestaltung der IT-Landschaft, klärte zunächst, ob sich die Lösung aus proprietärer Software oder Open Source Software zusammensetzen soll. Denn einerseits war die RAS-IT historisch Windows orientiert. Anderseits hatte die RAS-IT-Tochter bei der Entwicklung und Vermarktung der eigenen ERP-Lösung gute Erfahrungen mit Linux gesammelt.
Auf dieser Grundlage kamen zwei Konzepte in Betracht: Die erste Möglichkeit bestand in einer Erneuerung der IT mit einem Microsoft-Windows-Stack bestehend aus Windows Server 2008, Active Directory, Microsoft-Exchange 2010 sowie Backup- und IT-Security-Tools von Symantec. Die Alternative war eine Komplettablösung der vorhandenen Bausteine mit einem Open-Source-Stack: das Linux-Serverbetriebssystem Univention Corporate Server (UCS) mit seiner zentralen Benutzer- und Ressourcenverwaltung, das Softwareverteilungs- und -Inventarisierungsprogramm OPSI von der Firma UIB, die für UCS zertifizierte Groupware Zarafa, SEP sesam für Backup und Recovery sowie der Astaro Security Gateway. Auf den Desktops sollte die vorhandene XP- und Microsoft-Office-Umgebung zunächst weiter laufen, künftig aber mit Einbindung der Outlook-Clients in eine moderne, Open Source-basierte Groupwarelösung.
Der direkte Vergleich dieser beiden Lösungskonzepte zeigte mehrere Vorteile quelloffener Software:
Bessere Interoperabilität: Alle ausgewählten Open-Source-Bausteine lassen sich mit Windows und anderen proprietären Komponenten mischen, was umgekehrt nicht der Fall ist.
Langfristiger Investitionsschutz: Der offene Quellcode macht individuelle Erweiterungen der Programme möglich. Das erleichtert auch die Weiterpflege der Produkte unabhängig von der Politik ihrer Hersteller.
Die einfache und intuitive Benutzerführung durch die grafische Benutzeroberfläche des Serverbetriebssystems UCS erfordert keine Kenntnisse von Linux-Befehlen auf Kommandozeilen-Ebene.
Deutlich erleichterte Kommunikation durch Anbieter mit deutschen Standorten: Die ausgewählten Anbieter Astaro, SEP, Univention und Zarafa erbringen ihren Support von deutschen Standorten aus.
Für die Konkretisierung und Umsetzung des offenen Lösungskonzeptes beauftragte Krieger den IT- Dienstleister und Univention Partner Millenux aus Stuttgart-Korntal.

Ende Mai 2010 begann Millenux, ohne den laufenden IT-Betrieb bei RAS zu unterbrechen, mit der Implementierung. Als erstes wurde die Linux-Infrastrukturlösung UCS installiert und sein zentrales Benutzer- und Identitäts-Management eingerichtet, in das alle bestehenden LDAP-Objekte importiert wurden. Alle Objekte im LDAP-Verzeichnisdienst wie Rechner, Benutzer sowie die zugehörigen Konfigurationen werden nun über das UCS-Managementsystem zentral verwaltet. Es folgte die Einrichtung des für UCS zertifizierten Zarafa-Groupware-Servers, welcher die Benutzer ihre Outlook-Clients ohne erkennbare Änderungen nutzen lässt. Die Administration der Groupware erfolgt ebenfalls über die grafische Benutzeroberfläche des UCS-Managementsystems. Die folgende Einbindung des Backup-Tools SEP sesam sichert fortlaufend die Online-Kommunikation. Das multifunktionale Astaro Security Gateway sorgte schließlich im Netzwerk, bei Mail und Web-Zugang mit umfassenden Funktionen für Sicherheit.
Das Projekt wurde Ende August 2010 nach nur 3 Monaten abgeschlossen. Hierzu CATUNO-Projektleiter Krieger: Wir wussten, dass unser Vorhaben ambitioniert war und waren überrascht, wie reibungslos sich die neuen Produkte in unsere IT-Umgebung einfügten. Die Möglichkeit, dank der auf UCS aufsetzenden Zarafa-Groupware verschiedene mobile Endgeräte wie iPhone, Windows-Mobile und Blackberry-Smartphones verwenden zu können, hat für Akzeptanz der neuen Umgebung bei Außendienstmitarbeitern und Management gesorgt. Kontakte, Terminkalender und E-Mail sind nun mobil verfügbar.
Die Administration mit der Browser-basierten Univention-Oberfläche von UCS ist schnell und auch für Windows-erfahrene Administratoren leicht zu erlernen. Die zentrale Softwareverteilung und -inventarisierung für die Mitarbeiter-Desktops durch OPSI in Verbindung mit umfangreichen Gruppenrichtlinien sorgt für noch einmal wesentlich geringeren Arbeitsaufwand. SEP sesam hat die Systemverfügbarkeit deutlich erhöht, weil Backups von Datenbanken und E-Mail-System online und somit ohne Verluste im laufenden Betrieb erfolgen. Ein System-Recovery ließe komplette Instanzen im Notfall auf anderen Zielsystemen als der bisherigen Hardware wieder erstehen.

Projektleiter Krieger resümiert: Besonders die Zeit- und damit Kosteneinsparungen bei der Systemadministration sind signifikant. Dass wir darüber hinaus mit dem Projekt im Zeitplan und auch im Budget geblieben sind, bestärkt uns in der Richtigkeit unserer Entscheidung. Rainer Stahl, Geschäftsführer von RAS, ergänzt: Wir hatten eine einfache Lösung mit vielen Inseln. Jetzt haben wir eine professionelles, durchgängiges und sicheres System. Trotzdem ist dieses sehr flexibel.
Das Unternehmen wird in Zukunft evaluieren, ob auch Linux Desktops eingesetzt werden. Dazu Herr Rainer Stahl, Geschäftsführer von RAS: Wir haben die freie Wahl, was wir in Zukunft machen wollen. Bis zur Frage, ob wir Windows- oder Linux-Desktops einsetzen sollten: Durch die Univention-Grundlage sind wir nicht festgelegt.
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