Auf dem Univention Summit 2019 hielt Peter Ganten, CEO Univention GmbH, eine richtungsweisende Keynote. Einen ausführlichen Einblick in den Vortrag gibt Carsten Knop in seinem FAZ-Artikel ‚Deutscher IT-Unternehmer warnt „Uns droht ein technikzentriertes Mittelalter“‘.
Laut Ganten müsse Europa jetzt eine eigene digitale Zukunft schaffen, denn diese werde derzeit durch zwei auf den ersten Blick unterschiedliche ethisch-moralische Modelle getragen. Dem chinesischen, totalitären Modell – bei dem der Staat das Verhalten der Menschen mit Hilfe der Digitalisierung kontrollieren und steuern wolle und durch ein Modell aus dem Silicon Valley – das die Grundlage für das Handeln von Google, Facebook, Amazon und Co. sei und ebenso das Ziel verfolge, das Verhalten von Menschen vorherzusagen und zu steuern.

So wie die mittelalterlichen Herrscher den Menschen als das Objekt von Kirche und Staat gesehen hätten, so sähen die chinesischen und amerikanischen Digitalisierer den Menschen als das Objekt ihrer Daten und Algorithmen – der Mensch müsse von der Technologie vermessen, vorhergesagt und optimiert werden. Der Unterschied zum Mittelalter sei, dass das Durchleuchten der Menschen heute besser gelinge.

Die Frage ist, welches Menschenbild wir haben, wie wir die Welt selbst gestalten und in welche Welt wir mit Hilfe der Digitalisierung steuern wollen. Wollen wir wirklich ein neues von den Herrschern über Künstliche Intelligenz bestimmtes Technik-Mittelalter? Selbst, wenn wir dann vielleicht glücklicher sind? Ich meine, das wollen wir nicht, denn ich halte die Vorstellung einer automatisierten Optimierung der Menschen nach den nicht hinterfragbaren Kriterien einer Elite für menschenverachtend und totalitär. Soll es nicht der Mensch, das einzelne Individuum sein, das seine Geschicke lenkt und zwar auch dann, wenn die eigenen Erkenntnisse unvollkommen und ihre Beschaffung anstrengend sind?

Peter Ganten plädierte in seiner Keynote für eine weitgehende Trennung von Daten, Programmcode und Cloud-Dienstleistungen. Das Prinzip müsse sein, dass jedes Individuum, jede Organisation eigene Daten selbst verwalten und frei entscheiden könne. Und man brauche einheitliche, offene Programmierschnittstellen. Durch ein solches System würden noch mehr Daten verfügbar werden und eine darauf aufbauende, verteilte KI deswegen besser als die zentralistische KI der Plattformbetreiber sein.

Den Arikel vom 03.02.2019 finden Sie auf der Website der Frankfurter Allgemeine.

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