Universitäre Rechenzentren in Afghanistan

Anwender

Fünf universitäre Rechenzentren in Afghanistan, betreut durch das Zentrum für internationale und interkulturelle Kommunikation (ZiiK) der TU Berlin.

Anforderungen

  • extrem einfache Bedienbarkeit und Wartung
  • kostengünstig
  • Open Source Software, um Know-how Transfer sicherzustellen
  • Pflege der IT-Infrastruktur muss in Eigenregie funktionieren

Fazit

„Mit UCS können wir die afghanischen Mitarbeiter vor Ort sehr viel schneller als mit anderen Systemen in die Lage versetzen, alltägliche Probleme zu lösen – etwa ein vergessenes Passwort zurückzusetzen, neue Benutzer anzulegen oder neue Software aufzuspielen. Dadurch wird es uns möglich, uns auf eine Rolle als Notfallsupport zu beschränken und nur dann einzugreifen, wenn die Leute vor Ort nicht mehr weiterkommen. Und mit zunehmender Erfahrung ist das immer seltener der Fall.“
Daniel Tippmann, Projektplaner und -koordinator am ZiiK

Das Zentrum für internationale und interkulturelle Kommunikation (ZiiK) der Technischen Universität (TU) Berlin unterstützt seit 2002 afghanische Universitäten beim Aufbau einer IT-Grundversorgung und der Ausbildung von Fachkräften, Studenten und Dozenten. Entscheidend für den erfolgreichen Aufbau von universitären Rechenzentren ist eine kostengünstige Serverlösung, die möglichst einfach in Administration und Wartung zu handhaben ist – ohne Kompromisse bei der Funktionalität oder Sicherheit.

So wurde als Pilot Ende 2013 das IT-Center der Universität in Kandahar vollständig auf Basis von Univention Corporate Server (UCS) eingerichtet und im Februar 2014 feierlich eröffnet. Bereits nach einem halben Jahr hatte UCS die Verantwortlichen in Afghanistan und Deutschland überzeugt: Zwei weitere universitäre Rechenzentren in Kabul und Herat werden derzeit auf UCS umgestellt und die IT-Center an der Universität Balkh und in Nangarhar werden bis Ende 2015 folgen.

Die TU Berlin führt dazu IT-Administratoren-Trainings durch, während derer die Teilnehmer, die von allen fünf IT-Centern sowie dem afghanischen Hochschulministerium stammen, für die Migration zu UCS und deren künftige Aufgaben als Administratoren der IT-Center und der Universitätsnetzwerke ausgebildet werden.

Ausgangslage: zerstörte Universitäten und keine Computerkenntnisse

Als ZiiK-Direktor Dr. Nazir Peroz im Frühjahr 2002 erstmals nach Kabul kam, gab es an der gesamten Universität der Hauptstadt nur eine Handvoll alter, teilweise nicht mehr funktionstüchtiger Rechner. Nach der Machtübernahme der Taliban 1996 waren viele Schulen und Universitäten geschlossen worden und Wissenschaft und Technologie galten fortan als Teufelszeug. Kenntnisse im Umgang mit moderner Technik, die im Westen selbstverständlich sind, waren kaum noch vorhanden.

IT und technisches Know-how für moderne Wirtschaft unverzichtbar

Daher reichte es nicht, nur eine IT-Infrastruktur aufzubauen, sondern die Menschen vor Ort mussten im Umgang mit Computern geschult werden, um den Betrieb der geschaffenen IT-Strukturen in Eigenregie zu bewerkstelligen. Das ZiiK baute seit 2003 fünf universitäre Rechenzentren (IT-Center) auf, die an den Universitäten in Kabul, Herat, Masar-i-Scharif, Dschalalabad und Kandahar die IT-Versorgung der Universitäten sicherstellen. Die IT-Center verbinden jeweils die angeschlossenen Institute und PC-Pools mit dem Internet und stellen Dienste wie Speicherplatz, Mail- und Webserver bereit.

Kein Geld für Softwarelizenzen

Bei der Einrichtung der Rechenzentren setzte das deutsch-afghanische Projekt von Beginn an auf Open Source-Software. „Natürlich waren die Lizenzkosten der wichtigste Grund für den Einsatz quelloffener Software“, sagt Daniel Tippmann, Projektplaner und ‑koordinator am ZiiK. „Ohne finanzielle Unterstützung aus dem Ausland könnten sich die afghanischen Universitäten die Lizenzkosten für kommerzielle Software schlicht nicht leisten.“
Über die Jahre erprobte das ZiiK-Team gemeinsam mit seinen afghanischen Partnern zahlreiche verschiedene Betriebssysteme, in erster Linie unterschiedliche Linux-Distributionen. Im IT-Center Kandahar wurden 2013 erstmals sämtliche Server auf Basis von Univention Corporate Server (UCS) eingerichtet.

Im IT-Center Kandahar kommen zunächst zwei physikalische Server (Master/Backup) zum Einsatz, der ein Active Directory für die zentrale Benutzerverwaltung, Authentifizierung und Datenspeicherung sowie ein zentrales Backup bereitstellt. Künftig sollen darüber auch zentrale Email- und Webdienste angeboten werden. Insgesamt stehen im IT-Center 75 Client-PCs als Workstations auf UCC-Basis zur Verfügung.

„Für uns war es wichtig, ein Betriebssystem zu finden, das mit möglichst geringem Schulungsaufwand die afghanischen Mitarbeiter in die Lage versetzt, alle notwendigen Arbeiten möglichst ohne unsere Unterstützung zu erledigen“, sagt Tippmann. „Die einfache Verwaltung von UCS über eine zentrale, grafische Managementoberfläche, die zahlreichen, integrierten Tools und die einfache Installation und Einbindung weiterer Programme über das App Center eröffnen auch Administratoren, die das Betriebssystem nicht so vollständig durchdrungen haben, wie wir es in Deutschland gewohnt sind, viel Spielraum und Flexibilität.“

Einfache Wartung und Installation neuer Software

UCS ermöglicht auch in heterogenen Umgebungen eine effiziente und zentral gesteuerte Verwaltung. Über das webbasierte UCS-Managementsystem können die in Summer- und Winter-Schools in Berlin ausgebildeten Administratoren plattformübergreifend und unkompliziert Server, Computerarbeitsplätze, Benutzer und deren Berechtigungen sowie verschiedene Serveranwendungen und Webdienste administrieren. Neue Software können sie von der Managementkonsole und aus dem App Center über eine intuitiv bedienbare, grafische Oberfläche auf angeschlossenen Rechnern installieren.