Stadt Norderstedt

Wie Digitalisierung in Schulen gelingen kann und welche Rolle Open Source Software (OSS) dabei spielt, zeigen die Norderstedter Schulen. Mit UCS@school hat die Stadt Norderstedt, der Schulträger, eine funktionale und flexible Lösung mit hohen Datenschutzstandards gefunden, die sich optimal für die neue IT-Umgebung eignet.

  • 21 Schulen (zwölf Grundschulen, vier Gymnasien, vier Gemeinschaftsschulen, eine Förderschule)
  • 8.000 Schüler*innen
  • 1.000 Lehrer*innen
  • 12 IT-Fachkräfte (vier davon für das Identity- und Access-Management mit UCS@school sowie für Schnittstellen zum schuleigenen WLAN und zum Mobile Device Management (MDM))
  • Redundante und virtualisierte Serverinfrastruktur
  • Netzwerk- und Sicherheitskonzept
  • Redundante Firewalls
  • Anbindung von Nextcloud mit integriertem Collabora Online Office
  • Eigenes sicheres WLAN mit Jugendschutzfilter
  • Automatisierte Anmeldung schulgebundener Endgeräte an das Schul-WLAN
  • Insgesamt: Bevorzugter Einsatz von Open Source Software
  • Perspektivisch: Ein in Nextcloud integriertes, sicheres Video-Konferenztool, ein digitales Klassenbuch sowie weitere Lehr- und Lernsoftware
  • UCS@school als zentrale Schulplattform mit Hardware inkl. Storage Area Network (SAN) und Hypervisor im Rathaus
  • Anbindung der Schulen per Glasfaser mit 1GBit/sek. durch wilhelm.tel GmbH
  • Eigener Service Set Identifier (SSID) mit Jugendschutzfilter (Schul-WLAN “MobyEdu”)
  • Nextcloud mit integriertem Collabora und perspektivisch BigBlueButton-Räumen

Zentrale IT-Infrastruktur auf Open-Source-Basis

Bis 2017 setzte Norderstedt noch auf eigene IT-Lösungen. Dies änderte sich mit der durchgeführten Evaluierung von Produkten für die zentrale Schulverwaltung, bei der eine Studie der Universität zu Lübeck herangezogen wurde. Diese kam zu dem Ergebnis, dass unsere Open-Source-Lösung UCS@school besonders flexibel und kompatibel zu bereits vorhandenen Geräten und Setups ist, weshalb sie sich optimal für das Identity- und Access-Management sowie die Bereitstellung und Verwaltung von IT-Diensten eignet. Auf Basis dieser Evaluierung wurden die selbst entwickelten IT-Lösungen in Norderstedt durch UCS@school als zentrale Schulplattform ersetzt.

Ziel des Projekts war es, mit einem personell verstärkten Team mit zwölf IT-Fachleuten der bisherigen Administration ein Ende zu setzen und das digitale Klassenzimmer der Zukunft zu gestalten – und das bevorzugt durch den Einsatz von Open Source Software (OSS). Die Open-Source-Lösung UCS@school sollte im Rathaus, statt in jeder Schule einzeln gemanagt werden, um eine ganzheitliche und zentrale IT-Infrastruktur für alle Schulen in Norderstedt zu schaffen.

Ausarbeitung des Schulträger-Konzepts in Norderstedt

Das ganzheitliche digitale Konzept in Norderstedt steht auf drei Säulen: flächendeckendes, schnelles WLAN (1), weitgehend standardisierte Präsentations- und Endgeräte mit Raum für individuelle Anpassungen bei den Schulen (2) und die zentrale Schulplattform UCS@school (3). Dieses Trio ist die Antwort auf Fragen nach den Anforderungen an die Schule der Zukunft und konkreter an das digitale Klassenzimmer der Zukunft, in dem Schüler*innen und Lehrkräfte optimale Lern- und Lehrbedingungen vorfinden. Zusammen tragen die drei Säulen zusammen das Dach der IT-Infrastruktur und stehen selbst wiederum auf dem Fundament aus Benutzerverwaltung, Betrieb und Support.

Aufbau der neuen IT-Umgebung in Pilotschule

Da Norderstedt bereits flächendeckend mit Glasfasernetz ausgestattet war, betraf die erste Maßnahme im Rahmen des DigitalPakt Schule 2019-2024 nicht den Glasfaserausbau, sondern die Ausstattung aller Schulen mit schnellem WLAN (1 Gbit/s) für unkompliziertes Surfen in Rekordzeit. Im nächsten Schritt trat Norderstedt an Univention heran und äußerte den Wunsch nach einer zentralen IT-Infrastruktur inklusive Benutzerverwaltung, Betrieb und Support. Die neue IT-Umgebung wurde zunächst in einer Pilotschule aufgebaut und ausgiebig getestet, bis auch alle anderen Schüler*innen und Lehrkräfte in Norderstedt angebunden wurden. Heute steht die gesamte Hardware mit SAN und Hypervisor im Rathaus der Stadt. Von dort aus gibt es Layer-2-Verbindungen in jede Schule in Norderstedt, wodurch aufwendige Aufgaben wie Backups oder Routing in den Schulen entfallen.

Durch die Umstellung entstanden keine Redundanzen mit dem Landesschulportal Schleswig-Holsteins, das mittlerweile auch auf UCS@school und das Learning Management System (LMS) itslearning setzt. Das Norderstedter Schulportal steht damit nicht in Konkurrenz zum Landesschulportal, sondern stellt durch weitere IT-Anwendungen wie Nextcloud eine sinnvolle Ergänzung für die Schüler*innen und Lehrer*innen in Norderstedt dar.

Daten- und Jugendschutz sowie Bildungsgerechtigkeit in der Schul-IT

Während der gesamten Umgestaltung der Schul-IT wurde neben der Performanz der Lösungen für Software und Hardware stets der Daten- und Jugendschutz sowie der Faktor Bildungsgerechtigkeit berücksichtigt. Anstatt sehr teure Touch Displays in ausgewählten Räumen zu installieren, entschied man sich in Norderstedt dafür, alle 455 Unterrichtsräume mit Beamer, elektrischer Leinwand, Aktiv-Lautsprechern und Whiteboards bzw. Tafeln auszustatten. Diese identische Ausstattung gewährt gleiche technische Bedingungen für alle Schüler*innen und Sicherheit im Schulalltag für alle Lehrkräfte, deren Unterrichtsgestaltung so nicht unter abweichenden technischen Gegebenheiten leidet.

Für den Daten- und Jugendschutz wurde ein eigener Service Set Identifier (SSID) mit Jugendschutzfilter für alle Schulen geschaffen. Dieses Schul-WLAN ermöglicht eine benutzerorientierte Anmeldung und garantiert einen sicheren Internetzugang, indem nur schulgebundene Endgeräte automatisch im Schul-WLAN angemeldet werden. Hinzu kommt die Datenschutzkonformität der ausgewählten Plattform.

Norderstedt setzt auf Kommunikation

Für die erfolgreiche Umsetzung des Schulträger-Konzepts und die Zusammenarbeit mit Univention, der Compositiv GmbH, der Travekom und den Norderstedter Schulen sowie der Stadt stand für das Team der Schul-IT in Norderstedt jederzeit die Kommunikation im Vordergrund. Denn nur im intensiven Austausch miteinander konnten Anforderungen und Erwartungen festgehalten und die bestmögliche IT-Infrastruktur für die Norderstedter Schulen geschaffen werden.

Zu kommunizieren heißt in Norderstedt, sich gemeinsam Gedanken über die Schule der Zukunft zu machen und neue Ideen, auch in Richtung Augmented- und Virtual-Reality und hybrider Unterricht, zu entwickeln. Veränderungen, von denen vor allem die Schüler*innen und Lehrkräfte profitieren sollen. Letztere werden durch die Änderungen von administrativen Tätigkeiten entlastet und haben somit mehr Kapazitäten für die eigentliche (digitale) Unterrichtsgestaltung.

Weitere Planung

Das bereits umfassende Angebot in Norderstedt soll künftig neben Nextcloud noch weitere Dienste wie einen virtuellen Klassenraum bzw. ein Video-Konferenzsystem, einen datenschutzkonformen Messengerdienst und ein digitales Klassenbuch umfassen. Perspektivisch ist Norderstedt zudem daran interessiert, möglichst sämtliche Lehr-/ Lernsoftware zentral zu administrieren und, sofern möglich, Schulträgerlizenzen für diese zu erwerben. Weiterhin ist geplant, alle Schüler*innen der weiterführenden Schulen in Norderstedt Jahrgang für Jahrgang mit mobilen Endgeräten auszustatten – bis hin zur vollständigen 1:1-Ausstattung aller Schüler*innen.