Anfang Februar haben wir in einem Blogartikel beschrieben, wie Sie die Bareos-App über das Univention App Center installieren, durch Setzen einiger UCR-Variablen startklar machen und Windows- bzw. Linux-Rechner aus der UCS-Domäne als Bareos-Clients einrichten. In dieser zweiten How-To-Folge erklären wir nun ausführlicher, wie Sie einen Windows-Client sichern. Danach beschreiben wir, wo die Backup-Jobs und -Zeitpläne bei Bareos konfiguriert sind.

Bareos File Daemon unter Windows installieren

Zur Erinnerung: Der Bareos File Daemon ist das Client-Programm, das auf jedem Rechner laufen muss, den Sie mit Bareos sichern möchten. Wenn Sie die Bareos-App aus dem Univention App Center installiert haben, ist bereits der Bareos Director (die Steuerzentrale) unter UCS einsatzbereit. Im Verzeichnis /etc/bareos/autogenerated/clients (auf dem UCS-Rechner) finden Sie darüber hinaus Konfigurationsdateien für alle über die UCS-Domäne verwalteten Rechner, die automatisch angelegt werden.

Um die Installation der File Daemons auf den angeschlossenen Rechnern müssen Sie sich selbst kümmern. So gehen Sie dazu unter Windows vor:

  1. Laden Sie den File Daemon von der Bareos-Downloadseite herunter. Achten Sie darauf, die richtige Version zu installieren. Da die Bareos-App in UCS die Versionsnummer 17.2 hat, muss auch der Windows-Client zwingend aus der 17.2er-Reihe stammen. Der neue File Daemon (18.2.5) arbeitet nicht mit der UCS-Bareos-App (17.2.6) zusammen. Sobald Bareos 18.2.5 unter UCS verfügbar ist, können Sie auch die neue Client-Version verwenden.
  2. Starten Sie das Installationsprogramm unter Windows mit einem Doppelklick. Nach dem Akzeptieren der Lizenz wählen Sie die gewünschten Bareos-Komponenten aus. In der Voreinstellung ist das Profil Standard – FileDaemon + Plugins, Traymonitor aktiviert, was Sie übernehmen können.
  3. Nach einem Klick auf Next konfigurieren Sie im nächsten Dialogfenster den Client. Auf dem UCS-Rechner finden Sie unter /etc/bareos/autogenerated/clients eine automatisch generierte Konfigurationsdatei, die den Namen des Rechners trägt und die auf  .include endet. Aus dieser Datei entnehmen Sie die Angaben, die Sie im nächsten Dialog eintragen:
    • Client Name (Name des Client-Rechners): Hier tragen Sie den Namen des Windows-Rechners ein, wie er in UCS konfiguriert ist (zu finden in der Univention Management Console, Geräte / Rechner). In der Konfigurationsdatei steht er im Abschnitt Client hinter Name = .
    • Director Name (Name des Bareos Director): Der muss übereinstimmen mit dem Eintrag in der Datei /etc/bareos/bareos-dir.d/director/bareos-dir.conf – wenn Sie nichts geändert haben, ist die Voreinstellung  bareos-dir.
    • Password: Das Kennwort übernehmen Sie ebenfalls aus der Datei  /etc/bareos/autogenerated/clients/CLIENT.include; es steht im Client-Abschnitt hinter Password= .
    • Network Address (Netzwerkadresse): Hier tragen Sie die IP-Adresse oder den Hostnamen des Windows-Rechners ein; in der Einrichtungsdatei steht der Hostname im Client-Abschnitt hinter  Address=.
    • Client Monitor Password: Hier steht das Kennwort für den Windows-Tray-Monitor; auf dem UCS-Rechner ist es in der Datei /etc/bareos/bareos-fd.d/director/bareos-mon.conf eingetragen.
  4. Bestätigen Sie wieder über Next. Nach der Installation zeigt der letzte Dialog die Konfiguration für den Bareos Director an, die Sie in diesem Fall nicht kopieren müssen. Wenn Sie die Bareos aus dem Univention App Center installiert haben, dann ist die Einrichtungsdatei (unter /etc/bareos/autogenerated/clients) bereits vorhanden.
  5. Klicken Sie auf Finish, um die Einrichtung abzuschließen.

Ein FileSet für den Windows-Client

Ein FileSet definiert, was Bareos auf dem jeweiligen Client sichern (Include) und nicht sichern (Exclude) soll. Wenn Sie Bareos aus dem Univention App Center installiert haben, müssen Sie sich nicht um das Anlegen einer solchen FileSet-Datei kümmern – UCS hat das automatisch für Sie erledigt. Sie finden alle FileSets auf dem Bareos Director (in diesem Fall also auf dem UCS-Rechner) im Verzeichnis  /etc/bareos/bareos-dir.d/fileset/.

Die von UCS angelegte Datei für Windows-Rechner heißt Windows All Drives.conf (mit Leerzeichen). Sie definiert, dass der komplette Windows-Rechner (File = /) gesichert wird – mit Ausnahme von Wechseldatenträgern wie CDs/DVDs, USB-Sticks usw. (Drive Type = fixed). Per Exclude-Statement werden hier außerdem die temporären Dateien (Auslagerungsdatei und Mülleimer) ausgeschlossen:

FileSet {
  Name = "Windows All Drives"
  Enable VSS = yes
  Include {
    Options {
      Signature = MD5
      Drive Type = fixed
      IgnoreCase = yes
      WildFile = "[A-Z]:/pagefile.sys"
      WildDir = "[A-Z]:/RECYCLER"
      WildDir = "[A-Z]:/$RECYCLE.BIN"
      WildDir = "[A-Z]:/System Volume Information"
      Exclude = yes
    }
    File = /
  }
}

Sollten Sie weitere Verzeichnisse vom Backup ausschließen (WildDir = …) oder anstelle der ganzen Platte (File = /) einzelne Ordner sichern wollen, dann erzeugen Sie eigene FileSet-Definitionen im Verzeichnis  /etc/bareos/bareos-dir.d/fileset/. Beachten Sie, dass das Verändern der Originaldatei Windows All Drives.conf keine gute Idee ist, da diese beim nächsten UCS-Update überschrieben wird. Daher verwenden Sie die Datei am besten als Vorlage, kopieren sie und passen sie dann im Texteditor an. Sie benötigen dazu Root-Rechte. Denken Sie daran, das eigene FileSet anschließend in der Konfigurationsdatei für den Client (unterhalb von  /etc/bareos/autogenerated/clients) im Abschnitt Job einzutragen.

Als Nächstes geht’s ans Einrichten der Jobs – auch da erhalten Sie Unterstützung von UCS, denn ein Standard-Backup-Job ist bereits in der Konfiguration verankert.

Backup-Job für Windows-Rechner einrichten

Das eigentliche Backup bzw. das Restore (Wiederherstellen) regeln unter Bareos die Jobs, deren Einrichtungsdateien normalerweise im Verzeichnis /etc/bareos/bareos-dir.d/job liegen. UCS hat die Job-Definition zusammen mit Angaben zu jedem Client zusammengefasst und unter /etc/bareos/autogenerated/clients in eine Konfigurationsdatei geschrieben. Nach dem Client-Abschnitt steht hier jeweils eine Job-Ressource mit einem eindeutigen Namen, dem FileSet und einem Zeitplan (Schedule):

Client {
  [...]
}

Job {
  Name = "Backup-winsrv-2.bareos-demo.intranet"
  Client = "winsrv-2.bareos-demo.intranet-fd"
  JobDefs = "DefaultJob"
  FileSet = "Windows All Drives"
  Schedule = "WeeklyCycle"
  Enabled = "Yes"
}

 

Beachten Sie den Eintrag hinter Schedule = WeeklyCycle. Hier ist der Zeitplan definiert, den der nächste Abschnitt genauer erklärt.

Zeitpläne für Backups

Die Einrichtungsdateien für die Zeitpläne befinden sich im Verzeichnis  /etc/bareos/bareos-dir.d/schedule. In der Voreinstellung verwenden über UCS konfigurierte Clients den Plan namens WeeklyCycle, der in der Datei /etc/bareos/bareos-dir.d/schedule/WeeklyCycle.conf beschrieben ist:

Schedule {
  Name = "WeeklyCycle"
  Run = Full 1st sat at 21:00                   # (#04)
  Run = Differential 2nd-5th sat at 21:00       # (#07)
  Run = Incremental mon-fri at 21:00            # (#10)
}

 

Der Plan sieht also drei verschiedene Backup-Methoden vor: eine Vollsicherung jeden ersten Samstag im Monat um 21 Uhr, eine differenzielle Sicherung jeden zweiten, dritten, vierten und fünften Samstag (falls es diesen gibt) im Monat um 21 Uhr und eine inkrementelle Sicherung immer montags bis freitags um 21 Uhr.

Bareos unterscheidet zwischen diesen drei Sicherungsarten:

  • Vollsicherung: Die Vollsicherung stellt die einfachste Sicherungsart dar und kopiert alle Daten vollständig auf das Backup-Medium.
  • Differenzielle Sicherung: Sie sichern nicht den gesamten Datenbestand, sondern nur die Unterschiede zur letzten Vollsicherung. Als Referenz-Zeitpunkt gilt der Zeitpunkt der letzten Vollsicherung. Es werden also nur Dateien gesichert, die danach verändert wurden.
  • Inkrementelle Sicherung: Technisch gesehen entspricht sie dem differenziellen Backup; der Referenz-Zeitpunkt ist jedoch jeder beliebige Zeitpunkt einer zuletzt durchgeführten Sicherung. Ein inkrementelles Backup speichert also immer nur die Änderungen des Tages.

Sollten Sie eigene Zeitpläne erstellen wollen, dann gehören die Konfigurationsdateien ins Verzeichnis /etc/bareos/bareos-dir.d/schedule. Beachten Sie, dass die Dateien auf .conf enden müssen. Eine ausführliche Erklärung und Beispiele, die Sie als Vorlage für die eigene Konfiguration verwenden können, enthält das Bareos-Handbuch.

Tipp: Sowohl in der Bareos Console (Kommando bconsole im Terminal) als auch im Bareos Web UI in der Abteilung Director können Sie mit dem Befehl status scheduler die aktuellen Zeitpläne betrachten. Der Reiter Zeitpläne im Web UI zeigt diese ebenfalls an.

Maik Außendorf

Diplom-Mathematiker Maik Außendorf studierte Mathematik und Informatik in Münster. Im Mittelpunkt der Diplomarbeit stand die Implementierung eines künstlichen neuronalen Netzes in C++ unter Solaris und Linux. Nach dem Studium arbeitete er als SAP-Berater in der Kolumbianischen Niederlassung der Siemens AG. Von 1999 bis 2003 war er als Linux-Systemberater und Geschäftsstellenleiter bei der Suse Linux AG St. Augustin tätig. In dieser Zeit hat er Linux basierte Kundenprojekte sowohl in puncto Konzeption als auch hinsichtlich Implementierung und Projektleitung durchgeführt. Anschließend war er Mitgründer der Open Source Beratungsfirma dass IT, nebenbei ist er Mitautor des Linux Manager Guide von Susepress. Heute ist er einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Bareos GmbH & Co. KG.

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Kommentare

  1. Hallo,
    danke für hilfreiche die Anleitung. Die ersten „Windows-Testmaschinen“ werden jetzt per Bareos gesichert.
    Unklar für den weiteren Einsatz bei uns sind:
    – Sicherung von Mac-Books:
    Können solche Geräte ggf. mit etwas mehr „Handarbeit“ auch über UCS/Bareos gesichert werden?
    – Sicherung von Homeoffice-Geräten (VPN)
    Gibt es eine gute Vorgehensweise für die Sicherung von Geräten mit langsamer Anbindung? Können unterbrochene Aufträge wieder aufgenommen werden?
    Vielen Dank

  2. Hallo,
    grundsätzlich steht unter UCS die gesamte Bareos-Funktionalität zur Verfügung. D.h. sie können Clients aller unterstützten Betriebssysteme sichern, auch MacOS – allerdings nur über manuelle Konfiguration. 17.2.er Pakete für MacOS gibt es hier: http://download.bareos.org/bareos/release/17.2/MacOS/
    Die Konfiguration von Clients ist hier beschrieben: https://docs.bareos.org/IntroductionAndTutorial/Tutorial.html#adding-a-client

    Zur Sicherung von Homeoffice Geräten über VPN gibt es verschiedene Ansätze, u.a. Client Initiated Connections: https://docs.bareos.org/TasksAndConcepts/NetworkSetup.html#client-initiated-connection

    Abgebrochen Jobs können derzeit noch nicht wieder neu gestartet werden. Bei langsamer Anbindung kann eine Begrenzung der von Bareos banspruchten Bandbreite sinnvoll sein. Näheres hierzu finden Sie in der Dokumentation unter dem Stichwort „Bandwidth Limitation“.

    Viele Grüße aus Köln

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