Schulträgerlösung „IT-Betreuung der Flensburger Schulen“

Dass die Digitalisierung der Bildung zum Top-Thema geworden ist, zeigt die Berichterstattung in der Presse: Das von Bundesministerin Wanka angekündigte 5 Milliarden Förderpaket für den Ausbau der Schul-IT macht dort genauso Schlagzeilen wie das Für und Wider von Laptopklassen oder die Diskussion über eine deutschlandweite Bildungscloud.

Bei uns in Flensburg spielt das Thema schon seit Jahren eine Rolle. Angefangen beim Engagement von einzelnen Lehrkräften an einigen Schulen kam die Forderung nach mehr Digitalisierung früh in der Schulverwaltung an. Von Anfang an war klar, dass einige Schlüsselfaktoren entscheidend für den Erfolg sein würden, wenn wir einen praxistauglichen und zukunftsfähigen Einsatz von IT in unseren Schulen verwirklichen wollten. Erstens gehörte dazu ein schlüssiges Konzept, das pädagogische und technische Aspekte miteinander in Einklang bringt. Zweitens die ganz frühe Einbindung aller Beteiligten in der Verwaltung, der Politik und in den Schulen. Und drittens ein agiles Vorgehen, bei dem wir in frühen Testphasen mit Piloten Praxiserfahrungen sammeln können, um zu prüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder um gegebenenfalls gegensteuern zu können.

Mit Netzwerken und WLAN an einzelnen Schulen bis zum Beschluss des Flensburger Rates

Flensburg ist eine kreisfreie Stadt im Norden Schleswig-Holsteins, direkt an der Grenze zu Dänemark. Mit rund 94.000 Einwohnern drittgrößte Stadt des Bundeslandes und an der deutsch-dänischen Flensburger Förde gelegen.

An den öffentlichen Schulen, die durch uns als Schulträger betreut werden, unterrichten ungefähr 890 Lehrkräfte und weitere Berufsschullehrer rund 15.000 Schüler. Neben 10 Grundschulen, 5 Gemeinschaftsschulen, 4 Gymnasien und 3 Berufsbildungszentren gehören dazu noch 3 Förderzentren und eine Abendschule.

Vor allem in den weiterführenden Schulen und den Förderzentren gab es bereits in der Vergangenheit große Anstrengungen in Richtung des digitalen Lernens. Dabei waren es in der Regel die Lehrkräfte, die Netzwerke und WLANs in den einzelnen Schulen aufgebaut und betreut, Präsentationsmöglichkeiten für den Unterricht geschaffen und Server für unterschiedliche Belange in den pädagogischen Netzwerken betrieben haben.

Aus diesem individuellen Engagement entstand 2015 in den Schulen der Wunsch, die Betreuung der pädagogischen Netze und der dazugehörigen IT zu professionalisieren und den Lehrkräften wieder mehr Raum für ihre pädagogische Arbeit zu lassen. Nach eingehender Beschäftigung beauftragte die Flensburger Ratsversammlung daher die Erstellung des „Konzept für einen koordinierten IT-Support an den Flensburger Schulen“, WLAN an allen Schulen und die Breitbandanbindung an das Internet. In einem weiteren Schritt wurde 2016 die Schaffung einer einheitlichen Basisinfrastruktur und eine erste Mitarbeiterstelle für den IT-Support an den Flensburger Schulen beschlossen.

Damit war für uns der Weg eröffnet, eine professionelle, effiziente und nachhaltige IT für sämtliche, von uns betreute Schulen aufzubauen. Nach einer Bestandsaufnahme der bestehenden Strukturen in den Schulen wurde schnell klar, dass eine Betreuung der einzelnen Netzwerke und anderer Informationstechnik in den Schulen mit einem sehr hohen personellen Aufwand verbunden sein würde. Deshalb waren wir uns schnell einig, dass ein Konzept für einen zentralen Schul-IT-Support notwendig ist. Da in dieser Zeit parallel auch über die Landesinitiative für die Breitbandanbindung der Schulen in Schleswig-Holstein gesprochen wurde, entstand die Idee, die geplante Glasfaser-Verkabelung im Stadtgebiet auch für die pädagogischen Netze und eine zentrale Schult-IT-Infrastruktur zu nutzen.

Als die Idee einer zentralen Infrastruktur-Lösung konkreter wurde, war uns klar, dass eine solche Lösung nur in gemeinsamer Arbeit zwischen Schulen, Schulträger und Stadt-IT erarbeitet werden kann. Dadurch können wir nicht nur alle Interessen und Anforderungen früh in das Konzept einfließen lassen, sondern auch alle Beteiligten von Anfang an einbinden und so mögliche, spätere Widerstände bei der Umsetzung von vornherein ausschließen.

Das Konzept

Bevor wir in die konkrete Szenarienplanung gestartet sind, war es uns wichtig, erst einmal ein umfassendes Konzept für eine zentral gesteuerte IT-Infrastruktur zu entwickeln. So wollten wir vermeiden, möglicherweise in Sackgassen zu landen oder einzelne Bereiche zeit- und kostenintensiv nachträglich zu integrieren. Denn auch wenn klar war, dass ein großer Teil der in Zukunft von uns zu betreuenden Infrastruktur in den Schulen im Unterricht eingesetzt werden würde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht dezidiert wissen, in welche Richtung sich die Flensburger Schulen im Bereich des „digitalen Lernens“ entwickeln wollen.

Alle Partner von Anfang ins Boot holen

Deshalb haben wir zusammen mit dem IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein) die gemeinsame Medienentwicklungsplanung (MEP) der Schulen in Flensburg gestartet. Ziel dieser Planung ist es, dass die Flensburger Schulen ihre eigenen, für sie passenden Konzepte definieren und Perspektiven in den Entwicklungen aufzeigen können. Diese Anforderungen werden von Anfang an als Bausteine in das Konzept der IT-Betreuung eingebunden, was dazu führt, dass die Schulen gemeinsam mit uns, dem Schulträger und der IT, bereits jetzt über die in Zukunft benötigten Techniken sprechen können. So machen wir uns beispielsweise bereits jetzt gemeinsam Gedanken über eine zukünftige Vereinheitlichung von Hardware (PCs, Laptops, Tablets, etc.).

Ausgangssituation in Flensburg: dezentrale Lösung für die Schul-IT-Infrastruktur

Wichtig ist es uns hierbei einen Konsens zu finden, der von allen Seiten, auch in Zukunft, mitgetragen wird, statt den Schulen eine technische Lösung zu diktieren, die diese vielleicht aus Ressentiments oder mangelnder Praxistauglichkeit später nicht einsetzen. Ebenso sprechen wir in dieser Runde über den zukünftigen Ablauf von Beschaffungen. War es bisher üblich, dass die in den Schulen genutzte IT zumindest teilweise von jeder Schule selbst angeschafft wurde, soll es in Zukunft zu einer einheitlichen Beschaffung kommen, um so Synergien und Preisvorteile zu erreichen. Im weiteren Verlauf der Konzepterstellung werden wir auch über die Höhe der in Zukunft zur Verfügung stehenden Mittel und deren Verteilung sprechen, um auch hier frühzeitig Konsens herzustellen.

Nachdem wir uns also ausführlich mit der Erarbeitung von trag- und zukunftsfähigen Konzepten beschäftigt, uns umfassende Beratung von außen eingeholt und alle beteiligten Parteien zusammengeholt hatten, ging es nun in die Umsetzung. Auch hier war es uns wichtig, nicht auf dem Reißbrett Lösungen zu entwickeln, die sich später als Sackgassen herausstellen oder als nicht oder nur sehr aufwändig und teuer realisierbar herausstellen sollten. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, mit einem Pilotprojekt für eine zentrale IT-Infrastruktur zu beginnen und zunächst eine der weiterführenden Schule daran anzubinden. Auch bei der Umsetzung dieses einen Piloten war es zentral, eng mit dieser Schule zusammenzuarbeiten, um die realen Anforderungen laufend einfließen lassen zu können und potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen.

Neben Erkenntnissen zur technischen Lösung wollen wir auch Erfahrungen für den zukünftig zu erwartenden Bedarf an Bandbreiten, Hardware und Personal sammeln. Auf die technischen Aspekte dieses Piloten werde ich im weiteren Verlauf dieses Artikels detaillierter eingehen.

Strategisch soll uns das Pilotprojekt Erfahrungen bringen, die auch als belastbare Grundlage für die weitere politische Entscheidungsfindung dienen können. Denn natürlich wird die Umsetzung einer zukunftsfähigen IT Infrastruktur, die sich an neue Anforderungen anpassen lässt und in die sich neue Technologien, wie zum Beispiel Cloud Szenarien, integrieren lassen, Geld kosten. Aber auch wenn die vom Bundesministerium für Bildung angekündigten 5 Milliarden erst später kommen, haben wir ein von allen akzeptiertes Konzept, mit dem wir bereits jetzt starten und das wir sukzessive ausbauen können. Zusammen mit den praktischen Erfahrungen, die wir nun mit unserem Piloten für eine zentral gesteuerte IT-Infrastruktur sammeln werden, sollten wir in Flensburg für den Aufbau einer modernen IT gut aufgestellt sein.

Wie fange ich technisch an?

Zentral verwaltbare IT-Infrastruktur für individuelle Bedürfnisse der einzelnen Schulen

Wie oben bereits beschrieben, sind wir mitten in der Umsetzung eines Pilotprojekts für eine zentrale IT-Infrastruktur und die Anbindung einer unserer weiterführenden Schule in diese Struktur. In diesem Pilotprojekt möchten wir neben Kenntnissen über die Tauglichkeit der von uns angedachten technischen Lösung auch Erfahrungen zu den zu erwartenden Bedarfen bezüglich Bandbreite-, Hardware- und Personalunterstützung sammeln.

Aus technischer Sicht ist es uns daher wichtig, zunächst einmal den aktuellen Status der an der Pilot-Schule vorhandenen Technik abzubilden, um in den nächsten Schritten die Vorteile und Synergieeffekte nutzen zu können, die sich aus einem zentralen ID-Management ergeben.

Deshalb haben wir zunächst in einem Workshop gemeinsam mit Technikern von Univention in nur zwei Tagen eine funktionierende Testumgebung mit verschiedenen für die Zukunft denkbaren Komponenten wie Zentrale Systeme, Self-Services, opsi, Nextcloud, Collabora, Testschule, Import von Benutzern, RADIUS (WLAN) Anbindung erfolgreich aufgesetzt. Diese Testumgebung läuft immer noch und hilft uns nach wie vor, diverse Tests durchzuführen und Szenarien durchzuspielen.

Ziel für den Ausbau der Schul-IT in Flensburg: Zentrale WLAN-Administration und sicherer Zugriff auf Webservices

In einem zweiten Schritt haben wir Anfang Juni damit begonnen, den produktiven Piloten aufzusetzen. Unser Ziel ist es, bis zum Ende der Sommerferien in Schleswig-Holstein am 4. September unsere Pilot-Schule mit allen in unserem Konzept vorgesehenen IT-Komponenten auszustatten und diese zum Einsatz zu bringen. Die Portalseite vermittelt einen guten Eindruck, wie einfach die Schulen auf die IT-Services und die Administration zugreifen können.

Folgende technische Kernbestandteile der neuen Lösung haben wir identifiziert:

  • Der Breitbandausbau in der ganzen Stadt
  • Die zentrale WLAN-Administration
  • Zentrale und selbstgehostete Cloud-Lösung für die Dateiablage
  • Lehrkraft-Administratoren ausschließlich für die Benutzerverwaltung
  • Self-Service (Selbstständiges Passwörter zurücksetzen) für alle Lehrkräfte und Schüler
  • Single Sign-On mit WebUntis (Vertretungspläne, Ressourcenmanagement)

Der Breitbandausbau in der ganzen Stadt

Die Anbindung der Schule an die zentralen Server erfolgt über eine 1Gbit LWL-Leitung. Die zentralen Server sind breitbandig, zentral an das Internet angeschlossen und bei Bedarf (z. B. Clouddienst) erreichbar. Die Schule(n) werden darüber hinaus noch einen eigenen Internetanschluss (120/60Mbit) erhalten, um den Internetverkehr aus den WLANs direkt in das Internet abzuleiten.

Zentrale WLAN-Administration

Die zentrale WLAN-Administration findet über RADIUS statt. Konzipiert ist eine einheitliche WLAN-SSID (WLAN-Name) über alle Schulen und die Authentifizierung mit dem Namen und Passwort der Benutzer. Insbesondere für schulübergreifende Benutzer-Accounts ist das ein Riesenvorteil. Technisch werden dann an den Schulen die Benutzer entsprechend ihrer Rolle vom UCS@school-RADIUS-Server unterschiedlichen Netzen (VLANs) zugewiesen, um eine Netztrennung zwischen SchülerInnen und Lehrkräften zu erhalten. Schuleigene Geräte wie iPads wiederum werden über ihre Maschinen-Accounts in das WLAN gelassen.

Zentrale und selbstgehostete Cloud-Lösung für die Dateiablage

Die zentrale und selbstgehostete Cloud-Lösung für die Dateiablage wird Nextcloud aus dem Univention App Center sein. Integrieren werden wir dort dann die Heimatverzeichnisse und Klassenfreigaben, um den Lehrkräften und SchülerInnen die Möglichkeit zu eröffnen, von zu Hause zu arbeiten (z. B. Unterricht vorbereiten), gleichzeitig aber auch die Daten auf den schuleigenen Rechnern zur Verfügung zu haben. Möglicherweise werden wir auch noch Collabora in die Nextcloud einbinden, um das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten den Lehrkräften und SchülerInnen zur Verfügung zu stellen.

Lehrer-Administration ausschließlich für die Benutzerverwaltung

Kernanliegen der Ratsbeschlüsse war die Schaffung einer einheitlichen Basisinfrastruktur für die Flensburger Schulen, um die Lehrkräfte zu entlasten. Da sich solch eine Basisinfrastruktur mit UCS@school umsetzen lässt, haben wir uns bei dem Piloten an Netzinfrastruktur-Empfehlungen für das Produkt orientiert. Nach der Umstellung auf die zentrale Informationstechnik soll es für die Lehrkräfte nicht mehr notwendig sein, sich Gedanken um den Aufbau und die Wartung der Infrastruktur zu machen. Vielmehr sollen nur noch Gruppenzuordnungen und Passwörter an Benutzer verwaltet werden. Darüber hinaus sollen die Lehrkräfte sich dann mehr um die eigentliche inhaltliche Weiterentwicklung des digitalen Lernens und nicht um WLAN-Architektur und strukturierte Verkabelung kümmern. „Inhalte statt Administration“ als neue Aufgabe.

Self-Service (Selbstständiges Passwort zurücksetzen) für alle Lehrkräfte und SchülerInnen

Technisch nutzen wir hier die Self-Service-App aus dem Univention App Center mit einigen DNS-Konfigurationen für den Mailversand. Damit können die Nutzer ihre Passwörter eigenständig zurücksetzen, was den administrativen Aufwand erheblich reduziert.

Single Sign-On mit WebUntis (Vertretungspläne, Ressourcenmanagement)

Da die Pilot-Schule sehr viel mit WebUntis arbeitet und Vertretungspläne, Raumbuchungen und weitere Funktionalitäten der Lösung nutzt, haben wir uns gemeinsam entschieden, ein Single Sign-On einzurichten, damit die Lehrkräfte mit ihrem gewohnten Passwort ohne komplizierte Anmeldeverfahren auf WebUntis zugreifen können.

Einbindung der Schulverwaltungssoftware WebUntis in das zentrale Identity-Management

Nun kommen erste konkrete Fragen zu den einzusetzenden Anwendungen im Pilotbetrieb auf. Wie wird in der Schule eine Cloud-Lösung genutzt, wird ein Mail-Konto für Schüler benötigt, etc.?

In der jetzt laufenden Phase wollen wir sehr stark mit den Schulen zusammenarbeiten, um den Schulen auch hier die Möglichkeit zu bieten. aktiv ihre eigenen Ideen einzubringen und in die Basisinfrastruktur zu integrieren. Jede Schule ist natürlich immer sehr individuell und das wollen wir neben der Standardisierung der Basisinfrastruktur auch erhalten. Zeitnah möchten wir dann die nächste Schule anbinden. Dieses mehrstufige Verfahren hilft uns, nicht nur die technischen Anforderungen zu testen und zu optimieren, auch die Kosten bleiben transparent und kalkulierbar, sodass die Politik eine gute Entscheidungsgrundlage hat, um zukünftig weitere Gelder für den Ausbau der IT in den Haushalt einzustellen.


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