zwei Schulkinder klatschen sich ab

Natürlich ist Demokratie kein Dauersprint im höchsten Tempo. Angesichts der rasanten Entwicklung in anderen Ländern kann es sich Deutschland aber schlicht nicht leisten, die Digitalisierung der Bildung noch länger zu verzögern. Daher ist es großartig, dass nun endlich die Hürden beseitigt werden, um umfassend in die Digitalisierung des Bildungswesens zu investieren.


Vielerorts fehlen allerdings noch die Infrastrukturvoraussetzungen, damit digitale Anwendungen und Inhalte überhaupt genutzt werden können. Diese müssen nun von Schulträgern und Ländern schnellstens geschaffen werden. Wir brauchen dafür aber keinen Digital-Airbus, also ein staatlich gepäppeltes Industrieprojekt. Was wir vielmehr brauchen, sind gute Rahmenbedingungen, damit Länder, Schulträgern und Anbieter endlich Tempo machen können. Der Digitalpakt ermöglicht genau das, jetzt kommt es auf eine gute Umsetzung an.

Nein zu einer „Bundesbildungscloud“

Die Digitalisierung von Schule und Unterricht steht noch vor dem Durchbruch und es gibt sehr viele neue Technologien, Produkte und Ideen, die nun die Basis für einen echten Innovationsschub bilden können. Aber wie bei anderen Innovationswellen auch, kann heute noch niemand sicher sagen, welche Technologien, Anwendungen oder Anbieter sich am Ende durchsetzen werden.

Deswegen ist es wichtig, offene, dezentral organisierte Infrastrukturen zu schaffen, die, dort wo vorhanden, auf bereits gut funktionierenden Lösungen und Technologien aufbauen und offen dafür sind, jederzeit Neues zu integrieren und so schnell und flexibel auszuprobieren und einführen zu können. Nur so entsteht ein echter Wettbewerb der Ideen und Lösungen, den wir dringend brauchen, um jetzt keine neuen Investitionsruinen zu erzeugen, sondern das Schulsystem passgenau voran zu bringen.

Einen zentralistischen Ansatz im Sinne einer „Bundesbildungscloud“, also einer im vom Bund für allen Schulen betrieben IT-Lösung für die Schulen, wie er immer wieder ins Gespräch gebracht wird, lehne ich deswegen ab. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche zentralistischen Strategien langsam, bürokratisch und innovationshemmend sind.

Eine wesentliche Voraussetzung für eine innovative und schnelle Digitalisierung der Schulen ist es aber, dass sich Schüler und Lehrer schnell und unkompliziert an Bildungsanwendungen anmelden können. Deswegen habe ich gemeinsam mit dem ehemaligen Staatssekretär von Schleswig-Holstein, Dirk Loßack, einen „ID-Vermittlungsdienst“ vorgeschlagen, den eine öffentlich-rechtliche Institution betreiben soll.

Schnelle Modernisierung der Infrastruktur mit Hilfe von ID-Vermittlungsdienst

Gleichzeitig soll der ID-Vermittlungsdienst sicherstellen, dass das Schulsystem, also die Länder, die Hoheit über die digitalen Identitäten der Schüler behalten und diese nicht an Privatfirmen wie Google, Microsoft oder Apple übergehen. So bildet er die ideale Grundlage für eine schnelle Modernisierung der IT-Infrastruktur und verfügt über unschätzbare Vorteile:

  • Er ist föderalismusfreundlich, da er bundesweit funktioniert, den Ländern und Schulträgern jedoch weiterhin die Hoheit über digitale Identitäten sowie und Gestaltungs- und Wahlfreiheit belässt.
  • Er ist kostengünstig, da er die einzelnen Institutionen, Anbieter und Nutzer im Bildungswesen miteinander verbindet und keine identische IT-Ausstattung voraussetzt.
  • Der Vermittlungsdienst ist leistungsfähig, da er den Schulen und Schulträgern die freie Auswahl zwischen etablierten und innovativen neuen Bildungsangeboten sowie Open-Education-Modellen gewährleistet.
  • Der Vermittlungsdienst ist schnell umsetzbar und datenschutzkonform, da er auf Internet-Standards basiert und innerhalb von einem Jahr in Betrieb genommen werden kann.

So können sich alle Bundesländer für eine Bildungscloud-Angebot ihrer Wahl auf Landesebene entscheiden.

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Peter H. Ganten ist Gründer und Geschäftsführer von Univention.

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